Heilpflanzenmonographie - Weihrauch

Weihrauch Boswellia serrata

von Marlies Hauschka

Wegwarte

Familie: Die Gattung Boswellia gehört zur Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae)

Arten: Boswellia sacra - Arabischer Weihrauch, auch Somalischer Weihrauch
Boswellia fereana - Ekenu Weihrauch
Boswellia dalzielii - Dalziels Weihrauch, Westafrika
Boswellia serrata - Indischer Weihrauch

Diese Baumarten wachsen in Trockengebieten um das Horn von Afrika (Somalia, Äthiopien, Eritrea, Sudan), in Arabien (Dhofar im Süden Omans, Hadramaut im Jemen) und in Indien. Der Lebensraum dieser Gehölze reicht in karger Landschaft zwischen Felsen und Klippen bis in eine Höhe von 1200m ü.NN. Der Harz spendende Baum erreicht Wuchshöhen von 1,5 bis 8 m, hat eine papierartig abblätternde Rinde und bildet bis zu 25 cm lange traubige Blütenstände aus.
Weihrauch ist das natürliche Harz (Olibanum) des Weihrauchstrauches. Man unterscheidet dabei den indischen Weihrauch Boswellia serrata vom arabischen Boswellia sacra.

Geschichte: Weihrauch, Gold und Myrrhe brachten die drei Weisen aus dem Morgenland zu Jesu Geburt - das sagt alles über den Stellenwert des aromatischen Baumharzes, das heute im christlichen Kult eine wichtige Rolle spielt. Doch die Geschichte des Weihrauchs reicht weiter in die Vergangenheit zurück: Bereits im fünften Jahrtausend vor Christus wurde Weihrauch zu Ehren der Götter geopfert.

Historisch wird die Verwendung von Weihrauch im Christentum gerne auf den Kult der Israeliten zurückgeführt, in deren Tempel oft Weihrauch verbrannt wurde. Vor dem Vorhang des Allerheiligsten stand der Rauchopferaltar, an dem morgens und abends ein Rauchopfer dargebracht wurde.

Auch die Ägypter verwendeten Weihrauch zum Einbalsamieren, als Räuchermittel und vor allem auch zu desinfizierenden Zwecken. Die alten Ägypter nannten die Harzperlen des Weihrauchs den „Schweiß der Götter“. In der Antike war das regelmäßige Ausräuchern des Hauses mit verschiedenen aromatischen Mischungen verbreitet. Im Totenkult wurde dem Weihrauch eine bannende Wirkung gegen die Macht und den Geruch des Todes zugesprochen. In der indischen Volksmedizin Ayurveda (der „Wissenschaft vom gesunden Leben“) werden die Extrakte des Weihrauchharzes Olibanum seit Jahrtausenden gegen chronische Arthritis und chronische Bronchitis eingesetzt. In der ayurvedischen Medizin wurde wohl keine Pflanze so genau untersucht wie der Weihrauch.

Weihrauchernte: Zwischen Ende März und Anfang April beginnt die Weihrauchproduktion, die über mehrere Monate andauert. Um das Harz zu gewinnen wird die Rinde der Bäume angeritzt, der austretende Pflanzensaft erstarrt an der Luft und bildet rot-gelbliche oder bräunliche Körner. Der erste Erntevorgang ergibt nur ein sehr minderwertiges Harz, welches früher weggeworfen wurde, heute allerdings vermarktet wird. Erst drei Wochen später wird eine annehmbare Qualität geerntet, die mit den weiteren Wochen immer besser und reiner wird. Die Harzausbeute pro Baum hängt von Alter, Größe und Zustand des Baumes ab und liegt zwischen 3 bis 10 kg Harz. Nach mehreren jährlichen Ernten erfolgt für den Baum eine mehrjährige Ruhepause.

Räucherharz: Bei normaler Temperatur ist das getrocknete Harz fast geruchlos. Es entwickelt beim Verglühen (Räuchern) einen aromatisch duftenden Rauch und wird in verschiedenen Religionen (z.B. der katholischen und orthodoxen Kirche) seit Mitte des ersten Jahrtausends bis heute bei Kulthandlungen verwendet, meist vermischt mit anderen Räuchermitteln wie Z. B. Benzoe, Myrrhe, Galbanum, Zistrose, Styrax, Lorbeer etc. Früher wurden auch andere Räucherharze als Weihrauch bezeichnet.

Wirkstoffe: 50- 70% Harze mit Boswelliasäuren, ätherische Öle.

Wirkungen: Weihrauch stoppt Entzündungen, wirkt schmerzlindernd, ödemhemmend, immunsuppressiv und antimikrobiell. Entzündungen werden im Körper auch durch ein bestimmtes Enzym (5-Lipoxygenase) verursacht. Dieses Enzym veranlasst die Bildung der sogenannten Leukotriene. Leukotriene sind Stoffe, die der Körper bei Entzündungen erzeugt und die für die Aufrechterhaltung von chronischen Entzündungen verantwortlich sind. Boswelliasäure hemmt die Prostaglandinsynthese. (laut Studien wurde bei Patienten mit chronischer Polyarthritis ein Rückgang von Schmerzen, Schwellung und Gelenksteifigkeit beobachtet, und der Verbrauch an NSAR konnte reduziert werden). Diese Hinweise auf eine Hemmung der Entzündungsmechanismen konnte - ebenfalls in klinischen Untersuchungen - bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn) und Schuppenflechte (Psoriasis) aufgezeigt werden.
In der Alternativmedizin wird Weihrauch als Alternative zu Cortison angesehen.

Indikationen: Begleittherapie bei Polyarthritis zur Linderung von Schmerzen, Schwellung und Gelenksteifigkeit. Bei M. Crohn und Colitis ulcerosa zur Remissionsbehandlung. Bei Asthma, Lupus erythematodes, Psoriasis, Borreliose, Glioblastom, Astrozytom, MS.

Ätherisches Weihrauchöl: Das ätherische Öl wird mittels Wasserdampf-Destillation aus dem Harz gewonnen. Das ätherische Öl wirkt auf den Geist klärend, erhebend und euphorisierend. Auf körperlicher Ebene ist es entzündungshemmend und kann bei Erkrankungen der Atemwege inhaliert sowie bei Rheuma verdünnt äußerlich aufgetragen werden. Es hat einen vollen balsamischen und süßen Duft, das indische Weihrauchöl riecht ausgesprochen frisch.

Darreichungsformen: Fertigpräparat, ätherisches Öl.

Tagesdosis: 1-3 x täglich 400 mg standardisierter Weihrauchtrockenextrakt.

Nebenwirkungen: Nicht bekannt.

Gegenanzeigen: Selten Magen- Darm-Beschwerden oder allergische Reaktionen.

Präparate: Ayurmedica H15 (400 mg standardisierter indischer Weihrauch); Olibanum RA- Weihrauch® Tr. und Salbe (Zilly).

Rechtslage: Weihrauchpräparate sind in Deutschland und Österreich nicht als Arzneimittel zugelassen, sind aber mit ärztlicher Verordnung erhältlich. In der Schweiz kann das Präparat H15 im Kanton Appenzell in den Handel gebracht werden. Von Apotheken werden auf Privatrezept auch Weihrauchpräparate hergestellt, teilweise als Kapseln, die Weihrauchpulver enthalten. Das im Apothekengroßhandel verwendete Olibanum-Harz stammt meistens vom preiswerteren afrikanischen Weihrauch und nicht aus Indien. Die Zusammensetzung der beiden Handelssorten kann sehr stark voneinander abweichen.

Klinische Studien: Bisher sind nur einzelne kleine randomisierte kontrollierte Studien veröffentlicht worden, die eine Wirksamkeit von Weihrauchpräparaten nachweisen. Positive Wirkungen konnten in allen Fällen nur mit hohen Dosen von Weihrauchextrakt erreicht werden. Forscher stellten fest, daß die Gabe niedrig dosierter Präparate genau das Gegenteil bewirkte.

Literatur Bühring, Ursel, Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Stuttgart, Sonntag, 2005
Olesko,Barbara, Die Kraft der Pflanzen, Ternberg, Verlag für Traditionelle Europäische Medizin, 2004
http://www.gesundheit.de
http://www.mz-verlag.de
http:// de.wikipedia.org/wiki/Weihrauch