Heilpflanzenmonographie - Wegwarte

Cichorium intybus

von Ines Sturm

Wegwarte

Familie: Korblütler (Asteraceae)

Verwendete Pflanzenteile: Wurzel, Cichorii radix, Blüten und Blätter

Volksnamen: Hansl am Weg, Kattenworz, Sonnenkraut, Sonnenwedel, verfluchte Jungfer, Wasserwart, Wegleuchte, Wendel, Zichorie, Rattenwurz, Sonnenwirbel

Botanik:
Standort: Die Wegwarte ist auf Weiden, an Wegrändern, auf Brachland und in Steinbrüchen regional verbreitet.
Pflanzenbeschreibung: Der Stängel der Wegwarte ist blattarm und steif verzweigt. Die Blätter sind lanzettlich und klein. Die Blütenkörbchen haben einen Durchmesser von 3-4 cm und ihre Farbe ist auffällig hellblau. Die Körbchen der Wegwarte bestehen ausschließlich aus Zungenblüten. Sie sind meistens nur bis Mittag voll entfaltet.
Blütezeit:Juni bis Oktober

Inhaltstoffe: Bitterstoffe (Bitterwert 800), Cichoriumsäure als Leitsubstanz, Inulin, Pentosane.

Heilwirkung: Schleimlösend, krampflösend, auswurfförernd, antibakteriell,keimhemmendSchwach appetitanregend und gallenflussfördernd

Anwendung: Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Pankreasschwäche, mildes Bittermittel, bei Abneigung gegen „bitter“ und für Kinder geeignet

Nebenwirkungen: In seltenen Fällen allergische Hautreaktionen

Gegenanzeigen: Allergie gegen Wegwarte und anderen Korbblütler. Bei Gallensteinleiden nur nach ärztlicher Rücksprache.

Zubereitung und Dosierung: 1Tl Droge mit 150ml siedendem Wasser übergießen und 7min bedeckt ziehen lassen.Als Tee, Tinktur, Arzneiwein.
Teezubereitung: 1 TL (oder weniger) zerkleinerte Droge (Wurzel) mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 5min. ziehen lassen und abgießen. Tgl. 2 Tassen trinken.
Tagesdosis: 3g

Bewährte Rezepturen: 20g Wegwartenkraut mit Wurzel 20g Löwenzahnkraut mit Wurzel 10g Pfefferminzblätter 2 TL mit 250ml kaltem Wasser übergießen, zum Sieden erhitzen und abseihen. Kurmäßig über 3-6 Wochen 1-2 mal täglich 1 Tasse Tee trinken (lt. M. Pahlow)
Fertigpräparate nicht erhältlich

Mythologie und Geschichte: Die Pflanze wurde schon von Theophrastos, Plinius, Dioskurides und Hildegard von Bingen beschrieben. Vor allem aus dem ausgehenden Mittelalter sind viele Mythen bekannt, die der Wegwarte unglaubliche Zauberkräfte, vor allem Liebeszauber, zuschreiben. Sie soll den Träger der (nach einem bestimmten Ritus ausgegrabenen) Pflanze im Kampf unbesiegbar und allgemein unverwundbar machen. Andere Mythen lauten dahingehend, dass eine Wegwarte unter dem Kopfkissen der Jungfrau im Traum den zukünftigen Ehemann erscheinen lässt. Wird die Pflanze am Peterstag mit einem Hirschgeweih ausgegraben, dann kann man einem anderen Aberglauben zufolge jede Person betören, die man damit berührt. (Marzell 1963, Seite 30).

Eine Legende:
Die Geliebte eines jungen Ritters, der an einem Kreuzzug teilnahm, wartete am Wegrand vor dem Stadttor mit ihren Hofdamen auf seine Rückkehr. Doch der untreue Ritter kam nicht mehr zurück. Auch als sie schon nicht mehr an eine Rückkehr des Ritters glaubten, weigerte sich das Burgfräulein, die Hoffnung aufzugeben. Und so konnte man diese kleine Gruppe noch lange Tag für Tag vor dem Stadttor warten sehen. Schließlich hatte der Himmel ein Einsehen. Das Burgfräulein wurde mit seinen Hofdamen in Blumen – Wegwarten – verwandelt, wobei die Hofdamen in blaue und die unglückliche Geliebte in eine weiße Wegarte verwandelt wurden.

Wegwartenwurzel wurde in Kriegszeiten bekannt als „Muckefuck“ oder „Zichorienkaffee“: die getrockneten Wurzeln wurden geröstet, gemahlen und als Kaffeeersatz verwendet. Als koffeeinfreies Genussgetränk ist Zichoriekaffee nach wie vor beliebt.

Wildkräuterküche: Die jungen Blätter werden als Wildgemüse verwendet, die getrockneten Wurzel, geröstet und gemahlen, als koffeinfreier Kaffeeersatz, die Blüten als essbare Dekoration. Wegwartenwurzeln schmecken kaum bitter und sind daher auch für Kinder geeignet.

Sonstiges: Wegwartenwurzel ist in der Volksheilkunde als speziell schwermetallbindend bekannt.
Die Wegwarte ist unter dem Namen „Chicory“ auch eine der Bachblüten.
Die Pflanze kann helfen Menschen für sich zu gewinnen. Außerdem wird sie dazu verwendet um Schicksalsschläge und Hindernisse des Lebens zu überwinden.
Als Heilpflanze war die Wegwarte schon bekannt, als Nahrungsmittel allerdings nicht geschätzt. Als Kaffeeersatz wird die Pflanze erst seit dem 16. Jahrhundert verwendet.

Cichorium
Eine handvoll Wegwart in wasser gesotten vnd getruncken
führt aus die gallen vnd weissen schleim durch den Stuhlgang...
Ein decoction gemacht auss dem kraut vnd wurtzel
mit wein oder wasser
vnnd warm gedruncken
eröffnet die Leber vnd Miltz
soll genützt werden im anfang der Wassersucht vnd Cachexia.
Solches vermag auch das gebrannt wasser
vnnd ist trefflich gut zu dem hitzigen Magen
zu allen brennenden Febern
vnnd schwachheit des Hertzens getruncken...
dienet auch zum hitzigen Podagra...
anno 1577 Hieronymus Bock

Es steht eine Blume,
Wo der Wind weht den Staub,
|: Blau ist ihre Blüte,
Aber grau ist ihr Laub. :|

Jetzt stehst du am Wege,
Da wehet der Wind,
|: Deine Augen, die blauen,
Vom Staub sind sie blind. :|

Ich stand an dem Wege,
Hielt auf meine Hand,
|: Du hast deine Augen
Von mir abgewandt. :|

Da stehst du und wartest,
Daß ich komme daher,
|: Wegewarte, Wegewarte,
Du blühst ja nicht mehr. :|

Hermann Löns, 1866-1914