Heilpflanzenmonographie - Rosmarin

Rosmarin Rosmarinus officinalis

von Marlies Hauschka

Engelwurz

Familie: Lippenblütler

Namen: Brautkraut, Gedenkmein, Hochzeitskraut, Kranzkraut, Tau des Meeres Meertau, (nach den lateinischen Wörtern ros „Tau“ und mare „Meer“)

Geschichte: Die an den sonnigen Hängen des Mittelmeergebietes heimische Pflanze wird seit dem Altertum als Schmuckpflanze, Weihrauchersatz, vor allem aber als Gewürz- und Heilpflanze kultiviert. Als Kulturpflanze gelangte der Rosmarin möglicherweise schon durch die Römer nach Mitteleuropa. In den Alpen ist diese allgemein beliebte Heilpflanze nur bedingt an geschützten Stellen in den Bauerngärten in niedriger Lage anzutreffen.

Beschreibung: Dicht buschiger, bis 1,5 m hoher, immergrüner Strauch; Blätter dunkelgrün, gegenständig sitzend, schmal lanzettlich, ledrig, hart, Rand eingerollt, oberseits dunkelgrün, unterseits weißfilzig; Zweige stark verästelt, rutenartig; Blüten klein, kurz gestielt, blau oder hellviolett, Kelch glockig, Oberlippe 2-spaltig, Unterlippe 3-lappig.

Standort: Kalkhaltige, nährstoffreiche Heiden, Macchien, Gärten, frostempfindlich.

Droge: Folia, Flores, Aetheroleum Rosmarini

Blütezeit: April bis Juni

Sammelgut, Sammelzeit Verwendet werden die nadelförmigen, getrockneten Blätter. Das Rosmarinöl gewinnt man durch Wasserdampfdestillation des blühenden Rosmarinkrautes. Blätter und blühende Sprosse das ganze Jahr.

Geruch, Geschmack: Geruch intensiv, aromatisch, kampferartig, Geschmack aromatisch, bitter

Inhaltsstoffe:

Ätherische Öle 1- 2,5 Prozent (Campfer, Borneol, Cineol, Pinen), Gerbstoffe (Laminaceengerbstoffe), Rosmarinsäure, Flavone, Glykoside, Bitterstoffe, Harz, Saponine

Heilwirkung: Kreislaufanregend, Steigerung des Koronardurchflusses - stimulierend positiv inotrop, geisterfrischend, verdauungs-, menstruationsfördernd; regt den Eisprung an; fruchtbarkeitssteigernd und mild aphrotisierend bei Frau und Mann.
Bei äußerlicher Anwendung wirkt er hautreizend und durchblutungsfördernd.

Anwendungsbereiche: Die Inhaltsstoffe des Rosmarins wirken entkrampfend, hauptsächlich auf die Gallenwege und den Dünndarm, Rosmarin beruhigt das Verdauungssystem, regt den Kreislauf an bei Hypotonie, bei Rekonvaleszenz und chronischen Schwächezuständen, löst psychische Spannungen mit Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit und Schwächegefühl. Rosmarin ist auch einer der Hauptbestandteile des „Kölnischwassers“, welches sich, auch wenn es ein wenig außer Mode geraten ist, durch seine belebende Wirkung bei Schwächezuständen und als anregendes Mittel bei kränklichen Personen immer noch großer Beliebtheit erfreut.
Der Duft des Rosmarins macht wach, er klärt die Sinne. Rosmarin ist die Pflanze, die den Kreislauf unterstützt, die als Badezusatz für kräftige Durchblutung sorgt: Eine stärkende, tief durchwärmende Pflanze. Die alten Kräuterkundigen beschrieben den Rosmarin so: „Rosmarin sterket die Memory, das ist die Gedächtnüsz. Behütet vor Pestilenz, erwärmet jung und retardiert das Alter, so man es allen Tag trinket.“ Rosmarin regt den Blutkreislauf an, macht warme Gliedmaßen und stärkt die geistige Leistungsfähigkeit. Menschen mit niedrigem Blutdruck und depressiven Verstimmungen, die morgens schlecht in die Gänge kommen, wird empfohlen, Rosmarinblätter zu kauern.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Der Rosmarin erwärmt den gesamten „unteren Menschen“, was bei Libidoschwäche unerlässlich ist (Frigidität leitet sich von frigidus – „kalt“ ab. Rosmarin regt den Kreislauf an, macht wach und spendet neue Energie, so dass er sich als Aphrodisiakum und Tonikum eignet (z.B. in Form eines Rosmarinweins angewandt).
Die Wirkung wird im Buch „Frau sein....Frau bleiben“ (1983) von Jaap Huibers genau beschrieben: „Rosmarin ist immer dann angebracht, wenn der Kopf überlastet ist und die Geschlechtsorgane zu kurz kommen.“ Das kann sich durch zu schwache Menstruation oder mangelhafte Funktion der Eierstöcke mit daraus resultierender Minderung der Fruchtbarkeit äußern. Rosmarin regt die Keimdrüsen beider Geschlechter an. In der ersten Zyklushälfte, fördert er den Eisprung und steigert die sexuelle Lust. In der zweiten Zyklushälfte, fördert er den Blutfluss.
Rosmarin bringt die Menstruation ins Fließen, wirkt zudem auch wehenanregend (Hebamen empfehlen erwärmende Rosmarinbäder, um eine schwache Wehentätigkeit zu verstärken. Rosmarin wirkt als Gebärmuttertonikum und kann bei Übertragung vorbeugen helfen.

Verwendung in der Küche: Als appetitanregendes und verdauungsförderndes Mittel ist der Rosmarin in der italienischen und französischen Küche ein äußerst wichtiges Gewürz und spielt dort eine bedeutende Rolle.

Anwendungsbeschränkungen: Bei Neigung zu Bluthochdruck oder zu starker Monatsblutung sowie in der Schwangerschaft sollte Rosmarin nicht eingenommen werden.

Darreichungsformen: Droge für Aufgüsse; Drogenpulver, Trockenextrakte, Rosmarinwein, Frischpflanzensaft, Spiritus, Salbe (für die innerliche Anwendung sind alkoholische Extrakte zu Kreislaufanregung besser geeignet, weil ätherische Öle nur zu ca. 25% in eine Teezubereitung übergehen). Ätherisches Öl für Inhalationen, Bade- oder Massagezubereitungen, oder auch einfach 1 Tropfen auf ein Taschentuch geben und tief einatmen.

Tagesdosis, innerliche Anwendung: 4- 6g Droge. Kneipp Rosmarin Pflanzensaft, Kneipp® Herz- und Kreislauftee (mit Weißdorn, Herzgespann, Mate grün, Johanniskraut).
Äußerliche Anwendung: Cor-Vel® Truw Herzsalbe (mit Campfer, Menthol, Fichtennadelöl), Guttacor-Balsam® N, Kneipp® Kreislaufbad, Weleda Rosmarin Bademilch und Rosmarin Salbe 10%.

Teezubereitung: 1TL (2g) gut zerkleinerte Droge mit 150ml Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen und abgießen. 3- 4 mal tägl. 1 Tasse trinken. Alkoholische Extrakte sind intensiver wirksam; zur Wirkungsverstärkung evtl. 10 - 20 Tropfen Tinktur /Tasse zugeben. Bewährt ist der Rosmarinwein: 20g Rosmarin in 1l trockenen Weißwein, 1 Woche ziehen lassen, abgießen und tägl. 1 Likörgläschen trinken. Gut gegen Antriebsschwäche. Vollbad: 50 g Droge mit 1l Wasser überbrühen, bedeckt 30 Min. ziehen lassen, abgießen und einem Vollbad zugeben.

Mythen, Märchen: Rosmarin stand schon bei Griechen und Römern in hoher Gunst und spielt auch in ihrer Mythologie eine Rolle. Als immergrüne Pflanze wird Rosmarien mit ewiger Treue und dem ewigen Leben in Verbindung gebracht. Deshalb ist er als Symbol der ewigen Liebe in Hochzeitsbräuchen vertreten, was sich in einem Sprichwort niedergeschlagen hat: „Der Brautkranz, gewunden aus Rosmarin, erhält die Liebe ewig grün.“ Pflanzen, die in Hochzeitsbräuchen eine Rolle spielen, haben meist einen günstigen Einfluss auf die ehelichen Werke, womit einst das Kindermachen bezeichnet wurde.

Es gibt Sagen und Bräuche über den Rosmarin, unter anderem eine Geschichte von Königin Isabella von Ungarn aus dem 16.Jh.: Die Königin Isabella war schon eine gestandene alte Dame von 72 Jahren, als sie sich in den jungen König von Polen verliebte. Alsdann wusch sie sich täglich mit Rosmarinwein und siehe da, sie ward auf wunderbare Weise verjüngt, von ihrer Gicht befreit und gewann ohne Mühe die Liebe ihres Auserwählten.

Literatur:
Künkele, Lohmeyer, Heilpflanzen Kräuter, Parragon Books
Lexikon der Frauenkräuter / Madejsky
Niederegger Oswald, Heilpflanzen der Alpen, Innsbruck, Tyrolia, 2006
Bühring, Ursel, Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Stuttgart, Sonntag, 2005
Fischer Heide, Frauenheilpflanzen, München, 2006