Heilpflanzenmonographie - Mariendistel

Mariendistel Silybum marianum

von Ines Sturm

Engelwurz

Familie: Korbblütler

Verwendete Pflanzenteile: Samen

Volksnamen: Frauendistel, Mariendistel, Ladys milk

Botanik: Die Mariendistel ist eine der größten und schönsten Disteln. Sie hat große, auffällig weiß marmorierte, dornig gezackte Blätter die im ersten Jahr eine grünständige Rosette bilden und die Mariendistel unverwechselbar machen.
Die schwarzen Samen haben einen seidigen, weiß glänzenden Pappus (Haarkrone), der sie wie Löwenzahnsamen durch die Lüfte segeln lässt. Die Samen sollen keineswegs geschält werden, da die Wirkstoffe hauptsächlich in der Eiweißschicht der Samenschale gespeichert sind.

Inhaltstoffe: 1,5-3 Prozent Silymarin, 20-30 Prozent fettes Öl, 25-30Prozent Eiweiß, Schleimstoffe

Ernte und Aufbereitung: In den Monaten August und September sind die Samen reif. Sie werden an der Luft gründlich getrocknet.

Heilwirkung: Die Mariendistel ist die einzige Pflanze die die Leberzellregeneration anregen kann. Silymarin (ein Gemisch von drei Flavonolignanen) stimuliert die Regeneration der Leberzellen (durch vermehrte und schnellere Bildung von ribosomaler RNA), stabilisiert die Lipiodstruktur der Leberzellmembranen, die das Eindringen hepatotoxischer Verbindungen verhindern soll und wirkt dadurch der toxischen (auch Alkoholbedingten) Leberschädigungen entgegen. Silymarin wirkt als Radikalfänger präventiv und kurativ, vermehrt die Pfortaderdurchblutung und verringert den quälenden Meteorismus (schon nach 2 Therapiewochen tritt eine Besserung des Allgemeinbefindens ein).

Indikationen: Vorbeugung und Therapie bei Leberschäden. Die Droge (Früchte) wird bei Verdauungsbeschwerden und zur Vorbeugung angewendet, begleitend auch bei –Gallensteinen, Unterschenkelgeschwüren, Krampfadern, Kopfschmerzen und Migräne.
Die Zubereitungen (Fertigpräparate) bei toxischen Leberschäden z.B. durch Alkoholmissbrauch, leberschädigende Arzneimitte oder Umweltgifte und bei Fettleber: Als Begleittherapie bei chron.-entzündlichen Lebererkrankungen zur Aszitesentwässerung signifikante Senkung der Transaminasen, sowie bei Leberzirrhose

Nebenwirkungen: Selten Stuhlverflüßigung

Gegenanzeigen: nicht bekannt

Zubereitung und Dosierung: Tee (nur bei Verdauungsbeschwerden, da sich lediglich 25 Prozent der leberwirksamen Substanzen in Wasser lösen; am besten mit anderen cholagogen Drogen); zur Vorbeugung täglich 1-2 EL Samen kauen. Für die Indikation Lebererkrankungen nur Fertigpräparate!
Tagesdosis: 12-5g Droge. Zubereitungen entsprechend 200-400mg Silymarin, berechnet als Silibinin. Mariendistelfrüchte sind aufgrund ihrer hervorragenden Verträglichkeit zur langfristigen Therapie, wie es für Lebererkrankungen notwendig ist, bestens geeignet. Mariendistel kann und soll über längere Zeit (3-6 Monate) eingenommen werden.

Teezubereitung: 1-2Tl (3-5g) Droge mörsern und mit 1 Tasse siedendem Wasser überbrühen, nach 10 Minuten abgießen. 3-4 täglich 1 Tasse etwa eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten trinken. Oder die gleiche Menge mit Wasser kurz aufkochen und nach 5 Minuten abgießen. Geschmacksverbessernde Drogenzugaben (Fenchel, Pfefferminze o.ä.) sind empfehlenswert.

Mythologie und Geschichte: Nach einer Legende stillte einst Maria auf der Flucht das Jesuskind. Dabei fielen ein paar Tropfen der kostbaren Muttermilch auf eine gewöhnliche Distel und benetzten ihre grünen Blätter. Dies Distel, bisher unbeachtet, fühlte sich geehrt und wollte die Zeichen der heiligen Muttermilch auf ewig bewahren – und so sind seither die Blätter von Silybum marianum weiß grün marmoriert.

Sonstiges: Eine Langzeitstudie konnte aufzeigen, dass die Überlebenszeit von Patienten mit Leberzirrhose durch Mariendistel tatsächlich verlängert werden konnte, und dass schon nach zwei Therapiewochen eine Besserung des Allgemeinbefindens eintrat. Der Appetit er Patienten steigerte sich, Müdigkeit, Übelkeit, Fettintoleranz und er quälende Blähbauch nahmen ab, körperliche Leistungsfähigkeit zu.
Mariendistel gehört mit Johanniskraut und Weißdorn zu den bestuntersuchten Heilpflanzen. Sie ist eine große Flavonoiddroge und Flavonoide haben keine Nebenwirkungen und somit ist sie für die Langzeittherapie geeignet.

Mariendistel als Hausmittel: Bei Krampfadern verabreicht man Tee und bei Ulcus cruris macht man feuchte Umschläge.

Bewährte Rezepturen:
Samentee:
3-5g Samen (1gehäufter TL) im Mörser zerstoßen und mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen und abgießen. Bei Verdauungsbeschwerden oder leichten Leber-Galle Beschwerden morgens und abends ½ Stunde vor den Mahlzeiten trinken, und zwar über einen längeren Zeitraum von 8 bis 10 Wochen. Es sind keinerlei Nebenwirkungen zu befürchten. Bei schweren Leberstörungen sind Teezubereitungen nicht zu empfehlen. Die Samen sind schlecht wasserlöslich; nur ca. ¼ der Wirkstoffe gehen in das Teewasser über, so dass die für eine leberentgiftende Wirkung nötige Dosis nicht erreicht werden kann. In diesen Fällen werden Fertigpräparate empfohlen.

Mariendisteltinktur: Eine Tinktur wird aus den frischen, zerquetschten Samen hergestellt. Die Samen im Mörser zerstoßen, in ein Glasgefäß füllen und im Verhältnis 1:10 mit 40%igem Alkohol bedecken. 3 Wochen lang unter regelmäßigem Schütteln ausziehen und danach abfiltrieren. Vorsicht: Eine Tinktur ist alkoholhaltig – nicht bei Leberzirrhose einnehmen! Hierfür gibt es Fertigpräparate. Dr. E. Schneider berichtet von guten Erfahrungen mit Mariendisteltinktur, die er bei der Behandlung von Migräne gemacht hat.