Heilpflanzenmonographie - Löwenzahn

Löwenzahn Taraxacum officiale

von Ines Sturm

Engelwurz

Familie: Korbblütler - Asteraceae

Verwendete Pflanzenteile: Kraut mit Wurzeln

Volksnamen: Butterblume, Milchblume, Pfaffenblume, Sonnenwirbel, Kuhblume

Botanik: Der Löwenzahn ist eine anpassungsfähige Pflanze. Seine kräftige Pfahlwurzel wird bis zu 30cm lang. Die Blätter, rosettenartig angeordnet, sind unterschiedlich tief gezähnt, lanzettlich. Die leuchtend gelben Blütenköpfe sitzen am Ende eines hohlen Blühstengels. Er führt wie auch die Blätter und Wurzel eine weißen Milchsaft. Die reifen Früchte sind mit einem fallschirmartigen Anhängsel ausgestattet – Pusteblume. Üppige Löwenzahnwiesen weisen auf Überdüngung hin.

Inhaltstoffe: Bitterstoffe (BW 100), Schleimstoffe, Phenylcarbonsäuren, Caratinoide, Stärke, Saponine, Eiweiß, Zucker, Vitamine, Kieselerde, Spurenelemente (Mg, Fe, Ca)

Heilwirkung: verdauungsfördernd, appetitanregend, gallensekrtetionsfördernd, stoffwechselanregend, tonisierend, harntreibend

Anwendungen: Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen mit Völlegefühl und Blähungen, Frühjahrskur, Unterstützung des Stoffwechselgeschehens bei chronischen rheumatischen Erkrankungen, Anregung der Diurese

Nebenwirkungen: Aufgrund der Bitterstoffe sind Magenbeschwerden möglich, in seltenen Fällen Kontaktallergie durch Milchsaft

Gegenanzeigen: Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenemphysem, Ileus. Bei Gallensteinleiden nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden

Darreichungsformen: Tee, Tinktur, Sirup, Frischsaft, Wildkräuterküche, Wildgemüse

Teezubereitung und Dosierung: 1-2 TL geschnittene Droge wird mit einem Viertel Liter kaltem Wasser übergossen, zum sieden erhitzt und 1 min. lang gekocht. Dann wird nach 10min. abgeseiht. Nicht abends einnehmen – harntreibend.

Mythologie und Geschichte: Das Wegblasen der gefiederten Samen diente zu Vielem. Die nach dem Anpusten stehen gebliebenen Früchte sollten angeben wie viel Uhr es sei, wie viele Jahre man noch leben werde, wie viele Jahre man noch zur Hochzeit habe. Wenn man alle Früchte auf einmal weggeblasen hatte, bekam man ein neues Kleid oder es gab zuhause eine gute Suppe. War der Blütenboden hell, so kam man in den Himmel, war er dagegen dunkel, wartete die Hölle. So viele Früchhte an den Kleidern des Angeblasenen hängen blieben, so viele Sünden sollte er haben. Wer die ersten 3 Löwenzahnknospen verschluckt, sollte das ganze Jahr gesund bleiben.
Den Kühen gab man Löwenzahn, gemischt mit Kleie und Salz, zu fressen, damit sollte die Milch wiederkommen.

Ernte: Löwenzahn muss im Frühjahr oder Herbst gesammelt werden. Mit einem Wurzelstecher sticht man die Wurzeln aus dem Boden, spaltet sie und hängt sie zusammen mit dem Kraut (hauptsächlich der Blattrosette) zum Trocknen an einem luftigen Ort auf. Bei Temperaturen bis 40°C darf auch im Ofen getrocknet werden.

Sonstiges: Taraxacum wird aus dem Arabischen tarak und sahha gebildet und heißt übersetzt: „pissen lassen“! die Zacken der Blätter des Löwenzahns erinnern auch an Löwenzahnzähne. Wurzel im Frühjahr bitterstoffreich, im Herbst bitterstoffarm, aber reich an Inulin. „Alle Rheumatiker sollten am Ende des Winters eine Löwenzahnkur machen“, R. F. Weiß

Gedichte:
„Armer gelber Löwenzahn,
wirst als Unkraut abgetan.
Wärst Du rar wie Orchideen,
jeder fänd’ Dich wunderschön.“
(Wiltrud Eberhardt)

„Der Löwenzahn ist schon seit jeher als höchst kriegerisch verschrien,
denn er lässt bei gutem Winde Fallschirmtruppen feindwärts ziehn.
Und ich sitz auf der Veranda und verzehre meine Suppe
und entdecke in der selben
zwei Versprengte dieser Truppe“
(Heinz Erhardt)