Heilpflanzenmonographie - Lein

Lein Linum usitatissimum

von Tanja Prantl

Lein

Volksnamen: Flachs, Glix, Flas, Haarlinsen, Flachshere, Horsamen

Familie: Leingewächse = Linaceae

Botanik: Die einjährige Pflanze kommt bei uns nur in Kulturen vor, sie verwildert sehr selten. Die zierlichen Stengel werden ca. 50-70 cm hoch. Die Stengel sind mit vielen schmallanzettlichen Blättern besetzt. Im Juni – August zeigen sich die himmelblauen, gelegentlich auch weißen Blüten. Bei der Reife entsteht eine Kapsel die bis zu 10 Samen enthält.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile: Samen = Lini semen, oder das aus den Samen gepresste Öl = Lini oleum

Inhaltstoffe: bis 19 Prozent Schleim, 25% Ballaststoffe, 30-45 Prozent fettes Öl (Linol- und ?- Linolensäure, Omega 3 Fettsäuren), 25 Prozent Eiweiß, 5 Prozent Mineralstoffe, Vitamine, wenig Flavonoide. Lignane, Blausäureglykoside.

Heilwirkung: stuhlregulierend, peristaltikanregend, schleimhautschützend, reizmildernd, säurepuffernd/p>

Kontraindikationen: Ileus, Darmtumore, Kinder unter 6 Jahren

Nebenwirkungen: bei richtiger Dosierung und Anwendung keine bekannt


Anwendungen:

innerlich: bei Obstipation 2-3mal tgl. zwischen den Mahlzeiten 1-2 EL ganze oder angequetschte Leinsamen mit je mind. 200ml Wasser einnehmen. Durch die Volumenzunahme (4-8-fache) kommt es zu einem Dehnungsreiz auf die Darmwand, infolgedessen wird die Peristaltik angeregt.
Bei Durchfall wird Leinsamen ohne Wasser eingenommen, so wird überschüssige Flüssigkeit im Darm aber auch Bakterientoxine gebunden.
Als Schleimhautschutz bei Sodbrennen, Gastritis, Ulcus ventriculi und duodeni lässt man den Samen ca. 1 Stunde im Wasser quellen, gießt den Schleim ab und trinkt dies schluckweise. Achtung: Medikamente erst eine Stunde später einnehmen, da es zu einer verzögerten Resorption kommen kann. Nach 7 Tagen Einnahme eine Woche Pause einhalten!

äußerlich: Auflagen mit Leinsamen haben sich bei den verschiedensten Beschwerden bewährt. Bei Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung, Husten, Hustenreiz, Halsschmerzen, Lymphknotenschwellung, zur Unterstützung der Milchbildung, Parotitis, Mumps, müden – gereizten Augen, Gerstenkorn, Furunkel und Abszess verschaffen Auflagen Linderung.

Schnellversion: Leinsamen ganz oder geschrotet in einen Schlauchverband füllen und an beiden Enden verknoten, in kochend heißes Wasser legen und quellen lassen. Wenn das Säckchen abgekühlt ist wechseln (3-6mal), die Auflagezeit beträgt eine halbe bis eine Stunde. Ein- mehrmals tgl. anwenden.

Kataplasma: 1 und eine halbe Tassen Leinsamen mit 2 Tassen Wasser aufkochen, von der Platte nehmen und unter ständigem Rühren 5- 10 min. quellen lassen, den Brei auf eine Mullkompresse geben und Päckchen formen. Anwendung wie bei der Schnellversion.
In der Volksmedizin wurden Auflagen bei Zahnschmerzen, Ischias, Rheuma, Neuralgien, Verbrennungen und bei trockenen Ekzemen angelegt.

Mythologie/Geschichte: Lein ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt, bereits die Ägypter bauten Lein an und beherrschten die Kunst Leinen zu weben. Das weiße Linnen galt als ein Zeichen des Lichts und göttlicher Reinheit. Die Leichname der Pharaonen wurden zur Mumifizierung in Leinen gewickelt und Priester trugen Kleidung aus dem Stoff.

Der Name Linum Usitatissimum bedeutet soviel wie überaus nützlich, die Vielfältigkeit dieser Pflanze ist enorm. Sie dient als Nahrungsmittel und Medizin, als Rohstoff für Kleidung, als Basis der Künste, als Bodenbelag (Linoleum) und als Rohstoff bei der Papierherstellung. Kelten und Germanen stellten ihre Kleidung aus Leinen her, Römer verwendeten Lein zur Herstellung von Segeln und Flaggen oder spannten damit Dächer über die Theater. Große Kunstwerke wie von Picasso oder Vincent van Gogh entstanden auf Leinwand. Die Farben wurden mit Leinöl hergestellt und mit Firnis aus Leinöl geschützt.

Die Fugger gelangten unter anderem durch die Leinenweberei zu Reichtum.
Leinöl: Auch das Öl aus den Samen ist ein Multitalent, innerlich eingenommen ist es ein Spezialist für das Gefäßsystem. Es verbessert die Fließeigenschaften des Blutes, ist cholesterinsenkend und hält das Gehirn fit. Es hat sich bei den verschiedensten Hautproblemen bewährt, besonders bei irritierter, entzündeter und trockener Haut. Geöffnet ist es allerdings nur 2-4 Wochen haltbar, es darf nicht erhitzt werden.

Quellen:
Alles über Heilpflanzen / Ursel Bühring
Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde / Ursel Bühring
Das große Buch der Heilpflanzen / Manfried Pahlow
Leinöl macht glücklich / Hans Ulrich Grimm
Zauberpflanzen Hexenpflanzen / Gertrud Scherf
Pflanzenöle / Ruth von Braunschweig
Skriptum Wickel und Kompressen / Evelin Habicher
www.hcilab.org
Foto Seite 1 www.wikipedia.de