Heilpflanzenmonographie - Heidelbeere

Heidelbeere Vaccinium myrtillus L.

von Ines Sturm

Engelwurz

Familie: Heidekrautgewächs (Ericaceae)

Verwendete Pflanzenteile: Beere

Volksnamen: Bickbeere, Blaubeere, Schwarzbeere, Moosbeere

Botanik: Heidelbeeren wachsen oft in Heide- und Moorlandschaften, in lichten Wäldern, im Gebirge. Sie ist ein 15-40cm hoher Halbstrauch, mit grünen, kantig geflügelten Zweigen und trägt eiförmige, vorne etwas zugespitzte, kurz gestielte und fein gesägte Blätter. Zwischen April und Juli entwickeln sich aus den Blattachsen grünlich oder rötliche, glockenförmige Blüten. Die daraus entstehenden vielsamigen, 8-15mm großen Früchte sind bläulich bis blauschwarz, meist bereift, äußert wohlschmeckend und weisen ein blau gefärbtes Fruchtfleisch auf.

Inhaltstoffe: Gerbstoffe, Anthocyane, Flavonoide, Invertzucker, Pektine, Fruchtsääuren, Vitamine

Heilwirkung: Stopfend, entzündungshemmend, zusammenziehend, brechreizlindernd, keimhemmend, Anthocyane und Flavonoide haben einen günstigen Einfluss auf die Elastizität der Gefäße.

Anwendung: getrocknete Beeren - bei unspezifischen Durchfallserkrankungen, Gärungs- und Fäulnisdyspepsien, leichte Entzündungen der Mund und Rachenschleimhaut, frische Beeren wirken leicht abführend.

Nebenwirkungen: nicht bekannt, bei Durchfällen die länger andauern, ist ein Arzt aufzusuchen

Darreichungsformen: Tee, Muttersaft, Beerenpulver

Teezubereitung und Dosierung: Mazarat: Heidelbeerauszug muss relativ hoch dosiert werden, um zur vollen Wirkung zu gelangen. 1-2 EL Droge mit 150ml kaltem Wasser zum Kochen bringen, 10 min kochen und dann abgießen

Mythologie und Geschichte:

Die Indianer Nordamerikas bereiteten aus getrockneten Heidelbeeren eine Art nahrhaften, wohlschmeckenden Früchteriegel zu. Und woher kommt die Waldheidelbeere?
eine Sage

Vor undenklicher Zeit kniete Sankt Gangolf, der stille Klausner, auf dem Gangolfsberg in inständigem Gebete, den Rosenkranz in den Händen, in der von ihm erbauten Kapelle, für die Armen und Verlassenen um Hilfe flehend. Ringsum in den Siedlungen der rauen Rhön herrschte die größte Not und bitterste Armut. Die Feldfrüchte wollten nicht gedeihen. Als einziges Obst wuchs nur der Holzapfel in dieser unwirtlichen Gegend.

Selbst ein armseliger Eremit, hat Sankt Gangolf nur durch Trostworte das Gottesvertrauen in die Hütten tragen können. Doch fand sein Gebet einer Tages Erhörung von der Mutter des Allerhöchsten. Erbarmungsvoll stieg sie herab vom Altar der Gangolfkapelle, in den schneeweißen Händen die schwarzglänzenden Perlen des Rosenkranzes tragend. So ging sie durch die ausgedehnten Wälder der Rhön und streute die 59 Körner auf weiter Fläche verteilend umher. Aus den schwarzen Körnern sprossen die Heidelbeeren in Mengen, so dass die Not ein Ende nahm.

Seit jener Zeit vermehrten sich diese edlen Pflänzchen millionenfach und die Vögel tragen den Samen von hier aus in entfernte Gegenden unseres Vaterlandes wo ebenfalls bittere Not herrschte.

Bewährte Rezepturen: Heidelbeermarmelade, Heidelbeersaft, Heidelbeerlikör, Heidelbeermehlspeisen, eingefroren und vor allem frisch schmecken sie einfach lecker.

Sonstiges: Fertigpräparate zur Verbesserung der Nachtsehleistung sind erhältlich, die aber nicht gegen Durchfälle wirksam sind.

Tannenwald

Wo bin ich gewesen?
Nun rat einmal schön!
Im Wald bist gewesen,
das kann ich ja sehn.

Spinnweben am Kleidchen,
Tannennadeln im Haar,
das bringt ja nur mit,
wer im Tannenwald war.

Was tat ich im Walde?
Sprich, weißt du das auch?
Hast Beerlein gepickt
Vom Heidelbeerstrauch.

O, sieh nur, wie blau
Um das Mündchen du bist!
Das bekommt man ja nur,
wenn man Heidelbeern isst!

Johannes Trojan (1837-1915)