Heilpflanzenmonographie - Gelber Enzian

Gelber Enzian Gentiana Lutea

von Ines Sturm

Engelwurz

Familie: Enziangewächse = Gentianaceae

Verwendete Pflanzenteile: Wurzel

Botanik: Die Magenwurz, diese attraktive, aufrechte, mehrjährige Pflanze gedeiht vor allem in der Alpenregion und wird bis zu 1,50cm hoch. Der gelbe Enzian kann bis zu 60 Jahre alt werden doch zur Blüte kommt er erst im Alter von 10 Jahren, da er sehr langsam wächst. Diese Gebirgspflanze deren Wurzel bis einem Meter in die Tiefe ragen kann, kann bis zu 4kg schwer werden und ist geschützt.. Die Blätter sind groß, spitz und eiförmig mit bogenförmig ausgeprägten Nerven. Die Blätter wachsen gekreuzt gegenständig, sie wirken wie Schalen. Die gelben, fünfzähligen Blüten wachsen in dichten Quirlen an den Achseln der Hochblätter. Die Blütezeit ist von Juni bis August und eine Samenkapsel enthält bis zu 100 Samen, somit kann eine Pflanze bis zu 10.000 Samen erzeugen.

Inhaltstoffe: Bitterstoffe BW 10.000

Heilwirkung: Da sie kaum Gerbstoffe enthält wirkt er nicht magenreizend und die tonisierende Bitterwirkung kommt isoliert und intensiv zur Wirkung. Die Bitterstoffe regen die Geschmacksknospen im Mund an und führen reflektorisch über den Nervus vagus zum Fließen der Verdauungssäfte. Antimikrobiell, antibakteriell, tonisierend, immunmodulierend, Beschleunigung der Magenentleerung, motilitätssteigernd im Dünndarm, indirekt fiebersenkend.

Indikationen: Erkältung, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Magenbeschwerden, Verstopfung, Völlegefühl, Blähungen, kalte Extremitäten, Herzbeschwerden, Rekonvaleszenz, bei körperlicher oder seelischer Schwäche

Nebenwirkungen: Magen –Darm Ulcera, bei anfälligen Menschen gelegentlich Kopfschmerzen/p>

Darreichungsformen: Tinktur, Tee, Verdauungsschnaps

Teezubereitung und Dosierung: Mazarat: 1 Tl der Droge mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzen und 8 Stunden ziehen lassen und abgießen.
Infus: 1 TL Droge mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen und abgießen

Mythologie und Geschichte: Seit dem 2. Jhdt. ist bereits die Wirkung des Enzians als Stärkungsmittel bekannt, laut Plinius soll der Name nach dem illyrischen König Genthios (180-68 v. Chr.) benannt worden sein, lutea vom lat. Luteus was gelb heißt. Er galt als Entdecker der Heilwirkung des Enzians und empfahl ihn als Pestmittel, Mittel bei Magen und Leberleiden, Fieber und Krämpfen. Galen (129 n.Chr. – 199 n.Chr.) empfahl die Wurzel gegen Gicht und zur Reinigung des Körpers von kranken Säften. Im Mittelalter wurde er als Universalmittel eingesetzt. Auch zum Öffnen und erweitern von Wundkanälen wurde er verwendet.

Bewährte Rezepturen: Enzianschnaps: Die gereinigten Wurzeln werden klein gehackt und in Maischefässern mit Wasser bedeckt. Man benötigt etwa 60-70 Wurzelstöcke für 1 Liter Enzianschnaps! Der Alkoholgehalt muss 37,5 % betragen.

Sonstiges: Der gelbe Enzian hat von den einheimischen Pflanzen den höchsten Bitterwert. Der blaue Enzian ist ein Verwandter des gelben Enzians mit ähnlichen Inhaltstoffen, aber weniger heilkräftig. Verwechslung im nicht blühenden Zustand mit dem giftigen weißen Germer. Lt. WWF: beträgt der Bedarf der Droge jährlich etwa bei 6000 Tonnen frischer Wurzeln. In vielen Ländern steht Enzian unter Naturschutz .Bereits im 17 Jhdt. war die Enzianwurzel in Tirol durch das ausgraben und brennen der Wurzel bedroht und es wurde eine Limitierung in unterschiedlicher Form eingeführt.

Quelle: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Ursel Bühring Mitschrift während der Phytotherapieausbildung Edelbrände mit Tradition - Das Tiroler Schnaps Buch, Wendelin Juen, Johannes Wieser, Thomas Böhm