Heilpflanzenmonographie - Hänseblümchen

Gänseblümchen Bellis perennis

von Ines Sturm

Engelwurz

Familie: Korbblütler - Asteraceae

Verwendete Pflanzenteile: Kraut

Botanik: Wird bis zu 15cm hoch mit grundständigen Rosetten mit blattlosem Stängel. Oval, spatelförmig, sattgrün, 1 bis 6cm lang. Stängel und Blätter sind zart behaart. Die Blüten besteht aus gelben zweigeschlechtlichen Röhrenblüten, die auf einem hohlen, kegelförmig auf gewölbten Blütenboden sitzen. Die den Rand bildenden weiblichen Zungenblüten und zumeist weiß, können aber auch seltener rötlich überlaufen sein. Die Blüten schließen sich abends und lassen das Köpfchen hängen (nickende Schlafstellung). Bei feuchter Witterung bleibt die Blüte geschlossen. Bei Sonnenschein öffnet sie sich und dreht sich nach der Sonne.

Standort: Überall dort wo die Sonne die Wiese küsst!

Inhaltstoffe: Saponine, Falvonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe, wenig ätherisches Öl, Mineralstoffe, Vitamin C

Heilwirkung: auswurffördernd, stoffwechselfördernd, schleimlösend, entzündungshemmend, juckreizlindernd

Indikationen: Atemwegserkrankungen, Linderung von Hautleiden, chron. Stoffwechselerkrankungen, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Frühjahrskur,

Nebenwirkungen: Korbblütlerallergie

Darreichungsformen: Tee, Kompressen bei Verstauchungen und Zerrungen, Salbe, Wildkräuterküche, Honig

Teezubereitung und Dosierung: 1 TL der Droge mit 1 Tasse siedendem Wasser übergießen und bedeckt 10 Minuten ziehen lassen.

Mythologie und Geschichte: Das Kinderblümchen welches unsere Seele erfreut, ist eine Pflanze die sich immer wieder aufrichtete, so viel sie auch getreten wird, und diesen Regenerationswillen verkörpert sie auch in der Therapie. Ursel Bühring empfiehlt: „In jedem Kindertee sollen sich auch Gänseblümchen befinden.“ Bei Kindern stoppt es als Wiesenpflaster alle Tränen.

In der Volksheilkunde ranken sich viele Geschichten um dieses kleine ausdauernde wachsende, hübsche Blümchen. Im 15.Jhdt. ist der Name Marienblümchen geläufig, da einer Legende zu folge, die Blüten, Marias Tränen sind, die sie auf der Flucht nach Ägypten weinte. Leonhart Fuchs schreibt 1543: „Das klein Massliebchen ist ein recht wundkraut, heylet allerlei bläterlin und die zerbrochenen hirnschalen“. Der Kräuterpfarrer Künzle schätzte dieses Blümchen ebenfalls sehr, als Wundkraut, bei Brüchen, zum Abgang von Wasser und Stuhl von Kinder, die nicht recht gedeihen wollten. Er schreibt, „ Die Alten sahen in den Farben grün, weiß, rot ein Sinnbild von Liebe, Glaube, Hoffnung und am inneren goldgelben Stern des Blümchens, die Herrlichkeit im Himmel. In England heißt es: „Wenn du mit einem Fuß auf sieben Gänseblümchen treten kannst, dann ist es Frühling.“

Auch lieben die Kinder das Gänseblümchen sehr und flechten daraus schöne Kränze, die sie sich auf den Kopf setzen. Auch magische Kräfte sagte man dem Blümchen nach, so wurde z.B. am Johannistag um 12 Uhr eine Pflanze ausgegraben, um sich vor der Pest zu schützen. Ebenfalls am Johannistag zwischen 12 und 13 Uhr gepflückte Pflänzchen sollen Glück bringen demjenigen soll keine Arbeit schief gehen. Die ersten drei Gänseblümchen, die man im Jahr findet, so beschreiben es unsere Vorfahren, sollen schützen vor Fieber, bösen Augen und vor Zahnweh. Auch legte man die getrockneten Kränze unter das Kopfkissen von Kindern, gegen den „Gichter“ (Krämpfe), als so genannte Gichterkränzle. Es kam zu ungeahnten Ruhm, als es vom französischen König Ludwig IX (1214-1270) zusammen mit der Lilie in sein Wappen aufgenommen wurde. Dazu ließ er sich einen Ring mit einem geflochtenen Blütenkranz anfertigen.

Wildkräuterküche: Die geschlossene Blüten kann man als Kapernersatz verwenden, dazu die Blüten drei Wochen in „guten“ Essig einlegen.

Sonstiges: Die Schulmedizin verwendet das Gänseblümchen nicht, aber in der Homöopathie gilt es al eines der wichtigsten Mittel bei stumpfen Traumen und Hautausschlägen. „Bellis“ kommt von bellus (=hübsch, niedlich), „perennis“ heißt ausdauernd, weil es so lange blüht. Der deutsche Name entstand wohl daraus, dass es von den Gänsen als Leckerbissen verzehrt wird.

Gänseblümchen in dem Garten
können kaum die Zeit erwarten,
bis der Winter ist vorbei und
vom Schnee der Rasen frei.

Strecken ihre roten Näschen
halb erfroren durch die Gräschen.
Liebe Blümchen, laßt euch sagen:
Nachts tut um die Spitzenkragen