Heilpflanzenmonographie - Engelwurz

Engelwurz Angelica archangelica

von Ines Sturm

Engelwurz

Familie: Doldenblütler

Verwendete Pflanzenteile: Wurzel

Volksnamen: Erzengelwurz, Engelbrustwurz, Gartenangelika, Heiligenbitter, Heiliggeistwurzel, Theriakwurzel, Brustwurzel, Geistwurzel, Glückenwurz, Luftwurz, Zahnwurzel

Botanik: Zweijährige Pflanze die bis zu 2m hoch werden kann. Im ersten Jahr bildet sie Blätter am Boden und im zweiten Jahr wächst sie hoch und blüht. Die Dolden sind eher rund als flach, mit tief eingeschnittene, hellgrüne Blätter. Im Spätsommer bringt sie Dolden mit kleinen, hellgrünen Blüten hervor. Die Wurzel riecht wie die ganze Pflanze stark würzig. Die ein bis zwei aufrechten, selten bis zu 3m hohen, markig-röhrigen Stängel sind rotbraun, fein gerillt und oben ästig verzweigt. Unten haben sie 60 bis 90cm große, dreifach fiederschnittige Laubblätter, die nach oben hin kleiner werden. Die grünlichen bis gelblichen Blüten stehen in großen, halb kugeligen Dolden auf langem Stiel.

Standort: Wächst sowohl im Schatten wie auch in der Sonne. Ist eine Pflanze der nördlichen Zonen und Asiens.

Vorkommen: Die Engelwurz wächst an Gräben, Flussufern, auf feuchten Wiesen und Flachmooren, in Gebüschen und Erlenwäldern.

Inhaltstoffe: Ätherische Öle (vorwiegend Terpene), Bitterstoffe, Gerbstoffe, Cumarine, Furanocumarine

Heilwirkungen: Krampflösend, blähungswidrig, appetitanregend, pankreasanregend, gallenflussfördernd, antimikobiell, menstruationsförernd.

Anwendungen: Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Magen-Darm-Krämpfe, Völlegefühl, Blähungen

Nebenwirkungen: Photosensibilität bzw. Kontaktekzeme durch Furanicumarine; während der Anwendung von Engelwurz sollte daher auf Sonnenbäder oder intensive UV-Bestrahlung verzichtet werden. Beim Ernten der Wurzel an sonnigen Tagen Handschuhe tragen. Anwendungen als: Tee, Tinktur, Fertigpräparate, Öl, Arzneiwein, Magenlikör

Teezubereitung: 1Tl Droge mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzen, zum sieden erhitzen, 2min bedeckt ziehen lassen und abgießen. 2-3 Tassen tgl. trinken. Tasse Wasser.

Geschichte: Die Wikinger führten im 10. Jhdt. die Engelwurz in Mitteleuropa ein. In Nordeuropa wurde die Pflanze seit dem 12. Jh. als Gemüse gegessen. Während der Pestepidemien kauten Ärzte auf der Wurzel der Engelwurz, um sich vor Ansteckung zu schützen. Noch 1771 gab der französische Autor Buchoz seinen Lesern den Rat, bei Pestepidemien seine Kleidung mit einem Pulver aus Engelwurz zu bestreuen. Paracelsus lobte ihren Saft als „höchste Arznei“ gegen innere Infektionen. In der Volksmedizin wurde Engelwurz als Gegenmittel gegen Tollkirschenvergiftung eingesetzt. Sie sollte aber auch bei Alkoholvergiftung wirken. Auch gegen Zauberei und böse Geister wurde die Pflanze (Heiliggeistwurzel) eingesetzt. Nach einer Sage soll die heilkräftige Pflanze den Menschen von einem Engel gezeigt worden sei. Auch der Artname „archangelica“ ist danach geprägt. Sie soll vor Tollwut und anderen Bedrohung schützen und wurde jungen Leuten zur Zerstreuung wollüstiger Gedanken empfohlen.

„Wann einer von einem wütenden Hund gebissen worden were/ der nemme Engelwurtzkraut und Wurtzel unnd thue darzu Rauthen. Zerstossen diese Stück wol unnd mach mit Honig ein Pflaster darauss/ streichs auffs ein Tuch unnd legs über den Schaden/ das zeucht alles Gifft heraus.“ (Tabernaemontanus, New Kreuterbuch 1588)

Wildkräuterküche: Die Wurzel wird in vielen Kräuterbittern verwendet. Engelwurz wird häufig kandiert und wie „Orangeat oder Zitronat“ als Backzutat verwendet. Außerdem wird Engelwurz als Fixativ in vielen Potpourris verwendet, Engelwurz war auch Bestandteil des Eau de Carmes (Karmelitergeist), welches die Nonnen der Abtei St. Juste für Karl V. von Frankreich herstellten.