Heilpflanzenmonographie - Echter Eibisch

Echter Eibisch - Althaea officinalis L.

von Dagmar Kröss zum PDF Download

Echter Eibisch

Familie: Malvengewächse - Malvaceae

Volksnamen: Samtpappel, Ibischwurz, Heilwurz, Weiße Malve, Sumpfmalve oder Schleimwurzel, englisch: Marsh Mallow.

Botanik: Der Echte Eibisch ist eine aufrechte, mehrjährige Pflanze mit kräftigen Stängeln. Er wird bis zu 2m hoch und ist eine wertvolle Bienenfutterpflanze. Der in allen Teilen filzigweiche Eibisch stammt vom östlichen Mittelmeer, dem kaspischen und Schwarzen Meer, hat sich aber inzwischen bis nach Nordafrika und Sibirien ausgebreitet. Er enthält besonders viele Pflanzenschleime, da seine starken, fleischigen Wurzel spezielle Schleimzellen besitzen. Eibisch hat samtweiche, weißfilzig behaarte Blätter, die spiralförmig am Stängel angeordnet sind und zarte weißrosa Blüten. Das die ganze Pflanze umhüllende, weichsilbrige Härchenkleid schützt die stark schleim - und feuchtigkeitshaltige Pflanze vor dem Austrocknen. Der Eibisch bevorzugt feuchte, eher salzhaltige Böden. Die Eibischwurzel wird im zweiten Jahr geerntet. Die Blütezeit des Eibisch reicht von Juni bis in den August.

Inhaltsstoffe: Schleimstoffe (in den Wurzeln bis zu 25 %) mit Galacturonohammanen, Arabinogalactanen und Pektine und in der Wurzel auch Stärke.

Indikationen/Wirkung: Die Schleimstoffe, die den Hauptgehalt der Pflanzen ausmachen, wirken reizmildernd und erweichend bei Entzündungen der Haut und der Schleimhäute sowohl des Magen - Darm - Trakts als auch der Atemwege (Mundschleimhautentzündung, Stomatitis; Zahnfleischentzündung; Halsschmerzen). Die lindernde und heilende Wirkung ist inzwischen auch wissenschaftlich anerkannt. So ist der kalt angesetzte Eibischtee besonders angezeigt bei Husten, Bronchitis, Lungenkatarrh, Bronchialasthma sowie bei Kolitis, Koliken, Durchfall und Verstopfung. Rollkuren mit Eibisch - und Malven -, abwechselnd mit Kamillentee, wirken sich günstig auf Magengeschwüre aus. Als Inhaltsstoffe wirken besonders die in der Eibischwurzel reichlich enthaltenen Schleimstoffe. Sie hüllen ein, lindern den trockenen Hustenreiz, erweichen und lösen Entzündungen. Den gleichen Effekt haben Blätter und Blüten als Umschläge auf Furunkel und Geschwüre. Der Eibisch hilft bei allerlei Hautproblemen, etwa Hautreizungen oder zur Wundbehandlung. Man setzt ihn dann als Umschlag oder als Badezusatz ein. Das im Eibisch enthaltene Aspargin hat zusätzlich eine harntreibende Wirkung; daher ist der Eibischtee auch bei Blasenschwäche zu empfehlen.

Geschichte: Bei Hungersnöten hat man die weiße mohrrübenähnliche Wurzel als Nahrung verwendet. Die einzige Bezugnahme in der Bibel spielt auf den faden Geschmack des Eibischschleims an (Hi 6,6 EU): "Wird Fades ohne Salz gegessen, oder ist Geschmack im Eibischschleim?" Das weist darauf hin, dass man Eibischschleim keinesfalls ohne Gewürz oder in Zeiten des Wohlstands gegessen hätte. Seine hautschützenden Eigenschaften sollen die Priesterinnen des Apollo angewendet haben, indem sie ihre Fußsohlen mit Eibischsalbe bestrichen, bevor sie zu Ehren des Gottes über glühende Kohlen liefen.

In der Antike galt der Echte Eibisch nahezu als Allheilmittel. Man verwendete das Kraut und die Wurzel als Hustenmittel, gegen Harnwegserkrankungen und Steinleiden; äußerlich fand es Anwendung bei Geschwüren, Abszessen, Drüsenschwellungen, Wunden, Brandwunden und Zahnschmerzen. Karl der Große lies den Eibisch wegen seiner Heilkräfte in seinen Ländereien anpflanzen. Seit dem Mittelalter wird der Echte Eibisch in Klöstern und Bauerngärten kultiviert. Im 19. Jahrhundert galt die Wurzel auch als Heilmittel bei Gonorrhö und Fluor albus. Aus Substanzen des Eibischs wurde ursprünglich die Süßware Marshmallow hergestellt. Der Name Marshmallow leitet sich von der englischsprachigen Bezeichnung marsh mallow (deutsch: Sumpf- Malve) für den Eibisch ab; heute verwendet die Industrie dafür Ersatzstoffe.


Verwendete Pflanzenteile: Man verwendet in der Naturheilkunde die Blätter (vor und während der Blüte gesammelt), Blüten (Juli bis August) und Wurzeln (Spätherbst im zweiten Jahr)

Bewährte Rezepturen: Es ist wichtig, dass Wurzeln, Blätter oder Blüten unbedingt in kaltem Wasser angesetzt werden. Der Auszug wird vor dem Trinken erwärmt, aber keinesfalls zu lange und zu stark erhitzt, damit die Schleimstoffe nicht zerstört werden. Mehrmals über den Tag verteilt kleinere Mengen trinken und dabei den Tee vor dem Schlucken einige Zeit im Mund behalten.

Eibischtee: Für den Tee setzt man 1 TL Wurzel oder Blätter pro Tasse kalt an und lässt mindestens 4 Stunden ziehen. Dann wärmt man den Ansatz leicht an und seiht ab.

Eibischsirup: Der Hustensirup wird mit 10 g getrockneter und kleingeschnittener Eibischwurzel zubereitet, die in 250 g Wasser und 200 g Zucker so lange gekocht wird, bis eine sirupartige Masse entsteht. Dann wird sie abgeseiht und löffelweise alle paar Stunden eingenommen. Eine andere Art Hustensirup herzustellen, ist folgende: 10 Teile Wurzel werden mit 5 Teilen 95 %igem Alkohol und 250 Teilen destilliertem Wasser 3 Stunden angesetzt, abgeseiht und mit 250 Teilen Honig oder Zucker vermischt.

Gesichtsmaske: Eibischwurzeln sind aufgrund ihres hohen Schleimstoffgehaltes ideale Pflegemittel für trockene und empfindliche Haut. Getrocknete und zu Pulver zerriebene Eibischwurzel mit etwas warmen Wasser, einigen Tropfen Zitronensaft und 1 TL Bienenhonig ergeben eine beruhigende und glättende Gesichtsmaske.

Gesichtswasser: Ein mildes und regenerierendes Gesichtswasser erhält man, indem man getrocknete und zerkleinerte Eibischwurzel in kaltem destilliertem Wasser über Nacht ziehen lässt.

In der Küche: Eibischwurzel ist sehr nahrhaft, schmeckt aber nicht besonders intensiv. Die Blätter und Blüten kann man für einen Salat verwenden. Die Samen sind eine interessante Ergänzung im Salat, ebenso können die Blüten und jungen Blätter im Salat verarbeitet werden und sorgen hier auch dafür, dass das "Auge mit isst". Blüten und Blätter können außerdem zu Gemüse gekocht werden.


Quellen: