Heilpflanzenmonographie - Brennessel

Brennessel - Urtica dioica (groß) - Urtica urens (klein)

von Ines Sturm

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Familie: Brennnesselgewächse - Urticaceae

Namensherkunft: Lat. urere: brennen: die Wirkung der Brennhaare Griechisch: di :zwei, oikos: Zweihäusigkeit Germanisch: nezze, leitet sich von Zwirn ab und weist auf die Verarbeitung der faserigen Stängel hin.

Geschichte: „Die Brennnessel kommt uns bei allen Leiden der Gelenke zu Hilfe“, sagt der Volksmund. Brennnessel, ist eine seit Urzeiten bekannte Heilpflanze, die schon unsere Vorfahren zur Rheumatherapie als nachhaltig antidyskratisches Kraut (Entsäuerung) einsetzten. Neuerdings wurden seine eindeutig antiarthrotischen und entzündungshemmenden Eigenschaften in Anwendungsbeobachtungen wissenschaftlich belegt:
Die Funktionsweise beruht auf einer Produktionshemmung der für die Entzündung verantwortlichen Zytokine. Dadurch konnte eine signifikante Schmerzlinderung und Besserung der Beweglichkeit festgestellt werden. Durch Brennnesselextrakt wird zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Entzündungsreaktion eingegriffen. Durch die Zytokinhemmung wird die Entzündung gehemmt und der Schmerz gelindert. Entzündung, Überwärmung, Schwellung, Gelenkerguss und Rötung nahmen bei Langzeitstudien deutlich ab. Brennnesselgaben können als Monotherapie eingesetzt werden oder als Begleittherapie zu NSAR, wo sie zu einer Dosisreduktion führen.
Mit Brennnesselmus können ganz eindeutig Schmerzmittel eingespart werden! Bennnessel ist eine der bekanntesten Pflanzen zur Entgiftung über die Niere. Das mineralische Kraut wird zur Durchspültherapie bei Harnwegserkrankungen oder Nierengrieß eingesetzt, die nussähnlichen Samen als Vitalitätstonikum, die ganze Pflanze als Dünger im Biogarten, die faserreichen Stängel zu Herstellung von Stoffen, und die Wurzel bei Prostataadenom.

Botanik

Standort: Schuttplätze, Gärten, Wälder, Gebüsche, Ufersäume, Auwälder, Wege, überdüngte Wiesen, stickstoffreiche Böden, Auwälder. Ein- bis mehrjährige krautige Pflanze, Wuchshöhe 30-150 cm.

Blatt: Länglich, grob gesägt, lang zugespitzt, am Grund herzförmig, auf der Oberseite dunkelgrün, matt und behaart.

Blüte: Längliche rispige Blütenstände mit winzigen bis kleinen weißen Blüten, gelegentlich blass- violett.

Stängel: aufrecht, unverzweigt, kantig. Blätter und Stängel sind überzogen von Brennhaaren, bei geringster Berührung bricht der Haarstumpf und bohrt sich in die Haut und injiziert ein brennendes Stoffgemisch aus Acetylcholin, Histamin und Ameisensäure (Nesselgift). Ein Zehnmillionstel Gramm genügt, um eine anschwellende Quaddel mit schmerzendem, brennenden Juckreiz zu erzeugen.

Wurzel: Tiefwurzler, Wurzelkriechpionier, Wurzelballen bestehen aus vielen dünnen Wurzelfasern.
Die mehrjährige Pflanze entwickelt im Sommer Rispen mit winzigen weißlichen Blüten, die auf weibliche und männliche Pflanzen verteilt sind. Wenn man die Blätter berührt, brechen die Spitzen der Brennhaare ab und ein scharf brennender Stoff wird frei. Eine geringe Menge davon genügt, um auf der Haut des Menschen die bekannten Nesselquaddeln hervorzurufen.
Die Blütenrispen der männlichen Pflanzen stehen waagrecht und tragen winzig kleine, vierstrahlige Blütenknospchen. Die weiblichen Blütchen sind kleiner, dunkelgrün mit einer winzig weißen, pinselartig behaarten Narbe und hängen in einer Rispe vom Stängel herab. Nach erfolgreicher Befruchtung kommen kleine, grünbraune Nüsschen.

Sammelzeit

Inhaltsstoffe

Wirkungen - Kraut

Die verstärkte Wasserausscheidung beruht auf einer osmotischen Wirkung durch den hohen Mineralgehalt (K) und kommt nur in Verbindung mit reichlich Flüssigkeit zustande.

Wirkungen - Wurzel

Indikationen - Kraut

Indikationen - Wurzel

Nebenwirkungen: nicht bekannt

Gegenanzeigen: Kraut: Ödeme infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit. Wurzel: keine Nebenwirkungen

Darreichungsformen: Innerliche Anwendung: Tee, Tinktur, Frischpflanzensaft und als Wildgemüse (Frühjahrskur), Brennnesselwasser (eine 2 Liter-Schale mit kaltem Wasser füllen, mit frischen Brennnesseltrieben bedecken, 2 Std. ziehen lassen, abgießen und über den Tag verteilt trinken.
Äußerliche Anwendung:Einreibungen mit Brennnesselspiritus wirken örtlich durchblutungsfördernd und besitzen eine kutane Reizwirkung auf das Nervensystem. Traditionsreich ist die so genannte „Urtikation“, eine Radikalkur, die von schmerzgeplagten Arthrotikern gelobt wird:
einmal täglich Brennnesselkraut und an zwei bis drei aufeinander folgenden Tagen die betroffene Körperregion nicht waschen, weil sonst das intensive wohltuende Wärmegefühl wieder in Brennen übergeht.
Das so genannte Nesselgift ruft ein wohliges, stundenlang anhaltendes Wärmegefühl hervor, das besonders bei Lumbago oder Ischias angenehm ist..

Tagesdosis: Kraut: 8-12 g Droge Wurzel: 4-6 g

Teezubereitung - Kraut
1 TL Droge (1 g) mit 150 ml siedendem Wasser übergießen und 5-10 Min. ziehen lassen.
3-4mal tgl. 1 Tasse Tee trinken.

Teezubereitung - Wurzel
1 TL grob gepulverte Wurzel mit 1 Tasse kaltem Wasser zu Kochen bringen und 10 Min. ziehen lassen. 3-5 Tassen tägl. trinken.

Präparate: Rheumaless® Kps. Kneipp® Brennnesselkraut Pflanzensaft, florabio Heilpflanzensaft Brennnessel

Kommission E: Innere und äußere Anwendung: adjuvant bei rheumatischen Beschwerden. Innere Anwendung: Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Vorbeugend und zur Behandlung bei Nierengrieß.