Heilpflanzenmonographie - Beifuß

Beifuß - Artemisia vulgaris

von Marlies Hauschka

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Botanik:
Der ausdauernde Wurzelstock treibt jährlich neue, bis 170 cm hohe Stängel, welche unten herauf verholzen, und sich verästeln. Der Stängel ist aufrecht- kantig, behaart- reich verzweigt und meist rötlich angelaufen. Die gefiederten Blätter sind an der oberen Seite dunkelgrün, an der unteren weißgraufilzig behaart. Blütenköpfchen sind länglich eiförmig, in Rispen angeordnet. Hülle weißfilzig. Beim Zerreiben ein leicht aromatischer Duft.

Familie:
Korbblütengewächs; Asteraceae

Die Artemisiafamilie wartet mit überraschend vielen bekannten Arten auf: mit Artemisia absinthium, dem Wermut; Artemisia abrotanum, der Eberraute; Artemisia drunculus, dem Estragon und mit Artemisia annua, dem einjährigen chinesischen Beifuß, dieser wird verwendet in der Prophylaxe und Therapie von Malariakranken. Esgibt 200 Beifußarten!

Andere Namen:
Besen oder Gänsekraut, Wilder Wermut, Jungfrauenkraut, Mugwurz, Grabe oder Wiegenkraut

Dieses wertvolle Heilkraut ist sehr verbreitet und wächst oft unbeachtet an Wegrändern, Gebüschen und Schutthalden, auf etwas feuchten Böden.

Verwendete Pflanzenteile: das ganze Kraut, Wurzel

Blütezeit: erstreckt sich von Juli bis September

Sammelzeit: Für das Kraut Juli bis September - man schneidet die oberen Triebspitzen, ganze Zweige, solange die Blütenknospen noch geschlossen sind. Sobald sich diese öffnen, werden die Blätter bitter und eignen sich nicht mehr zum Würzen. Die Erntezeit für die Wurzel ist der Spätherbst

Inhaltsstoffe:
Bitterstoffe, ätherisches Öl (mit Cineol, Thujon), Gerbstoffe, Cumarine, Flavonoide, Vitamine.

Heilwirkungen:
Appetit- verdauungsfördernd, tonisierend, antiphlogistisch; antibakteriell, fungizid, erwärmend, schweißtreibend, karminativ, choleretisch, spasmolytisch, menstruationsauslösend, geburtseinleitend.

Seine besondere Eigenschaft ist die erwärmende und durchblutungsfördernde Wirkung auf den Unterleib. Deshalb ist er in den westlichen Ländern wegen des häufigen Bewegungsmangels von großer Bedeutung. Wirkt tonisierend auf die Gebärmutter, deshalb bei Gebärmuttersenkung geeignet. Beifuß hilft die Gebärmutter wieder aufrichten.

Er wirkt auch abortiv und geburteinleitend. Nach der Geburt sorgt er für eine gute Rückbildung der Gebärmutter und verhindert mit seiner bakteriziden Wirkung Wochenbettinfektionen. Dazu stärkt es die Nerven der jungen Mutter und regt die Milchbildung an. Die Bitterstoffe sorgen für gute Verdauung und beugen damit Nabelkoliken der Neugeborenen vor. Im Zusammenhang mit der Menstruation befeuert er eine zu schwache Blutung.In der chinesischen Medizin ist die Verwendung von Moxazigarren zur Stimulation von Akupunkturpunkten gebräuchlich. Mit ihren ätherischen Ölen in Kombination mit Bitter- und Gerbstoffen wirkt die Pflanze kräftigend und wärmend, krampflösend, karminativ (entblähend), choleretisch (gallenabflussfördernd).

Indikationen:

Nebenwirkungen:
Entwicklung einer Korbblütlerallergie möglich

Gegenanzeigen:
Wegen möglicher abortiver Wirkung nicht während der Schwangerschaft.

Blütezeit: Juli- September

Darreichungsformen: Tee, Tinktur, Wein. Verwendet wird Artemisia herba, das Beifußkraut, das heißt alle oberirdischen Teile, geschnitten, frisch oder getrocknet.

Teezubereitung (Infus) 1 TL Droge mit 1 Tasse heißem Wasser überbrühen, bedeckt 7 Min. ziehen lassen und abgießen. 1-3-mal tgl. 1 Tasse trinken. Nicht süßen. Wurzeltinktur: Ein dunkles Schraubglas zur Hälfte mit frischen, zerstampften Beifußwurzeln füllen, mit 45%igem Alkohol aufgießen und 2 bis 3 Wochen stehen lassen. Abseihen und in dunklen Flaschen aufbewahren.2-5 Tropfen 3x täglich. Ist auch ein gutes Einreibungsmittel für müde Füße, Muskelkater und Neuralgien.

Geschichte: Er leitet sich aus dem Brauch der Wandersleute ab, sich einen Beifußstängel an die müde Wade zu binden oder die Blätter in die dampfenden Schuhe zu legen, um Kraft für die nächste Wegstrecke zu schöpfen. Beifußanwendungen lassen sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. In einer Höhle im irakischen Kurdistan fanden Archäologen die bestatteten Überreste von neun Neandertalern, Männer, Frauen und zwei Säuglinge. In einem Grab fand man Pollenkörnchen. Die Neandertaler hatten ihre Verstorbenen also auf Sträuße blühender Kräuter gebettet. Es handelte sich dabei um Heilpflanzen, unter den Kräutern befand sich Beifuß. Dieses Blumenbegräbnis fand vor 60.000 Jahren statt.

Ein Auszug aus dem angelsächsischen Kräutersegen Lacnunga: „Erinnerst du dich, Beifuß, was du verkündest, was du anordnest in feierlicher Kundgebung, Una heißt du, das älteste der Kräuter. Du hast Macht gegen drei und gegen dreißig, du hast Macht gegen Gift und Ansteckung, du hast Macht gegen das Übel, das über das Land fährt“.

Beifuß, der Göttin Artemis geweiht, gehört zu den starken Frauenpflanzen und wurde als „ Mutter aller Pflanzen“ seit der Antike aufs höchste gelobt. Damals wurde noch die Muttergöttin Artemis um Hilfe bei Geburten angerufen. Im Handbuch über Geburtshilfe aus dem Jahre 1450 „ Medieval Womans Guide to Health“ wird zur Geburtsvorbereitung empfohlen: „ Bereite ihr ein Bad aus in Wasser gekochten Malven, Griechisch Heu, Leinsamen, Wermut, Eberraute und Beifuß, laß sie eine gute Weile darin baden“.

Beifuß gilt als uralte Zauberpflanze, versprach Schutz und Heilung und reinigte von bösen „Mächtwurz“, man band sie an Maria Himmelfahrt in den Kräuterbuschen, und umtanzte mit Beifuß umgürtet zu Sommersonnenwende das Feuer. Natürlich diente diese heilige Frauenpflanze auch dem Liebeszauber. Früher wurde er zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, aber auch für Abtreibungen.

Wissenswertes: Die Blüten werden vom Wind bestäubt. Ihre Pollen gehören zu den wichtigsten Heuschnupfenauslösern. In der Küche wird Beifuß als Gewürz bei fetten Speisen verwendet (Gänsebraten). Beifuß wird als Mutter aller Kräuter bezeichnet, heute aber kaum mehr als Heilpflanze verwendet.

Literaturverzeichnis: